Nicaragua

September - Oktober 2003
Chinandega, Leon, Managua, Masaya, Granada, Rivas

Endlich mal Abwechslung fuer die Grenzbeamten des verschlafenen Fischerdorfes Potosi als wir am 18. September dort einreisten. Eine ganze Menge Papierkram hatten die Beamten zum ausfuellen (Paola's Papiere auch noch doppelt, so hatten die Beamten wieder einmal unter dem Vornamen "geb. Lossmann" eingetragen...), aber sie liessen sich leider nicht dazu ueberreden, uns 90 Tage Aufenthalt zu genehmigen. Auf der Touristenkarte sind nun einmal 30 Tage vorgegeben. Dann nahmen wir die 32 km Dirtroad (mit kleineren Seen als Hindernis) in Angriff, bevor es wieder etwas besseren, schwarzen Belag bis El Viejo bei Chinandega gab. Dort trafen wir wieder auf die Strasse CA2, welche hervorragend (mit Seitenstreifen wie in El Salvador) ausgebaut ist. Die Menschen unterwegs waren auffallend herzlich, lebenslustig und auch sehr huebsch. Was so eine Landesgrenze doch alles ausmachen kann! Wir fuehlten uns jedenfalls auf Anhieb sauwohl. Von Chinandega fuhren wir entlang der Vulkankette mit aktiven, rauchenden Vulkanen nach Leon, wo wir uns gleich mal ein paar Tage "niederliessen".
Weiter pedalten wir nach Leon Viejo, der alten Hauptstadt Nicaraguas. Diese Stadt wurde vor einigen hundert Jahren verlassen, mehrere Erdbeben, Vulkanausbrueche und Hurrikane haben nur noch ein paar Grundmauern der Stadt uebrig gelassen, aber noch heute hat man vom alten Fort aus einen tollen Blick auf den Vulkan Momotombo. Nach einer Haengematten-Nacht am Lago Managua ging es weiter in die Hauptstadt, Managua. Dort suchten wir verzweifelt das Zentrum, und auch die Einheimischen konnten uns nicht weiterhelfen - es gibt naemlich keines! Die Stadt haut einem nicht gerade vom Hocker und so erledigten wir nur Notwendiges auf der Immigration und duesten so frueh wie moeglich weiter nach Masaya.

Dort kamen wir wieder einmal (ungeplant) rechtzeitig zum Start der laengsten Party Nicaraguas (welche 3 Monate dauert!). Eroeffnet wurde diese am letzten Sonntag im September mit einem Umzug von ueber 1000 edlen Pferden und Reitern aus dem ganzen Land, Paola's Herz schlug gleich mal ein paar Takte schneller. Den groessten natuerlichen Umweltverschmutzer der Welt besuchten wir per Bus und zu Fuss, den Vulkan Masaya. Aus dem "Hoellenschlund" entweichen taeglich 500-3000 Tonnen Schwefelgase, im wahrsten Sinne des Wortes ein atemberaubender Anblick. Als dem Igel dann am Dienstag im Getuemmel des Umzugs zu Ehren des heiligen Jeronimos der Tagesgeldbeutel mit einem uralten, bloeden Trick geklaut wurde, hatten wir genug von der Party und zogen weiter nach Granada.
Granada am Lago Nicaragua ist laut einem Magazin "the oldest town of the Americas" und hat ihren Charme behalten trotz diverser Erdbeben, Piratenueberfaelle und Feuer. Der nahe gelegenen Laguna de Apoya statteten wir auch einen Besuch ab und hatten vom Mirador des Ortes Catarina aus einen wunderbaren Ausblick auf die Lagune, den Lago Nicaragua und den Vulkan Mombacho.

Am 06.10.2003 setzten wir mit der Faehre von Granada zur Insel Ometepe ueber. Nach Einbruch der Dunkelheit trafen wir in Alta Gracia ein und wurden zum Glueck von einem Pick-up mit in den Ort genommen, da es auf der ganzen Insel nur ueble Dreckstrassen gibt. Nachdem wir bei Tage die Petroglyphen im Ort besichtigt hatten, starteten wir die Inselumrundung gegen den Uhrzeigersinn. Zuerst kamen wir zur groessten "Stadt" der Insel, Moyogalpa, danach genossen wir Natur pur in Charco Verde mit der gruenen Lagune und vielen Bruellaffen. Auf dem Istmus der Insel, zwischen den Vulkanen Concepcion und Madera verbrachten wir einige Naechte und machten taeglich ausgedehnte Spaziergaenge (bei welchen wir ein Traumgrundstueck entdeckten - den Punta El Delirio - doch leider schon verkauft). Anschliessend machten wir uns auf in den unwegsamsten Teil der Insel, via Merida nach San Ramon. Dort besichtigten wir den schoenen Wasserfall auf ca. 600m Hoehe am Vulkan Madera und trafen auch Petra aus CH-Schwaderloch wieder, welche wir im Casa Guatemala kenngelernt hatten. Das Palapa an der kleinen Marina der Estacion Biologica diente uns als optimale Schlafstelle: mit Blick auf den Vulkan Concepcion und den Lago Nicaragua, regengeschuetzter Haengemattenplatz und sogar Strom! So blieben wir gleich mal 2 Naechte "haengen".

Von San Ramon aus ging es in den praktisch unerschlossenen Teil der Insel, via der kleinen Siedlungen Tichana, San Pedro, La Palma und Corozal nach Balgue, wo es weder Strom noch Busverbindung (geschweige denn irgendwelchen Verkehr) gibt. Einen ganzen, schweissgetraenkten Tag brauchten wir fuer diese 24 km, wobei wir fast die Haelfte der Strecke geschoben haben! Doch wie gut, dass es die Finca Magdalena in Balgue gibt! Dort haengten wir wieder unsere Haengematten auf und fuer die naechsten 5 Tage liessen wir unsere Seelen baumeln.
Wir entschlossen uns noch einen Abstecher nach San Juan del Sur zu machen, bevor wir unseres bisheriges Lieblingsland der Reise in Richtung Costa Rica verliessen.