Cuba

Juli - August 2002
Pinar del Rio, La Havana, Santiago de Cuba, Granma, Las Tunas, Camaguey

Fotos Cuba

Am 5. Juli, nachts gegen 22 Uhr, erfuhren wir, dass unser Boot nach Cuba schon am 6 Juli abends abfaehrt - Fluch, Hektik, Panik! In weniger als 20 Stunden galt es dann, zu packen, Dollars besorgen, eine Karte von Cuba zu kriegen (schlussendlich nur Internetausdrucke), und von Playa del Carmen nach Puerto Juarez zu kommen. Dafuer blieb uns nur der Bus. Auf den letzten Milimeter passten unsere dick bepackten Fahrraeder in den Bus hinein, und wir trafen rechtzeitig am Hafen ein. Das Tauchboot Oceanus schaukelte uns die Nacht hindurch nach Maria la Gorda auf Cuba. Ein spannendes Einreiseprozedere erstreckte sich fast ueber den ganzen Tag, bis wir "in die Freiheit" entlassen wurden. Zuerst mussten wir Stunden auf dem Boot warten, bis unsere Paesse gestempelt wurden. Dann mussten wir wieder auf das Uebersetzen ans Land warten. Dort mussten wir saemtliche Taschen auspacken und erklaeren, dass wir auch alle Dinge wieder aus Cuba ausfuehren werden. Eine mitgebrachte Orange wurde mit einer Lupe genau inspiziert. Ein weiteres Problem stellte unser GPS dar: mit diesem Geraet koennten wir ja "dem Feind" genaue militaerische Standorte durchgeben, es wurde also wieder zurueck aufs Schiff gebracht, und musste damit wieder zurueck nach Mexico. Morgens um 8 Uhr kamen wir in Maria la Gorda an, und gegen Sonnenuntergang waren dann fast alle amtlichen Dinge erledigt - nur fast, denn wir mussten noch mit dem Fahrrad nach Pinar del Rio zum Zoll, der in Maria la Gorda nicht vertreten war. Nach einer Haengematten-Nacht am Strand fuhren wir morgens dann endlich los, durch unzaehlige rote Winkerkrabben, die uns Zickzack fuhren liessen (alle haben es leider nicht ueberlebt) in Richtung Sandino. In der zweiten Nacht waren wir bereits in einem netten Casa Particular (ein privates Gasthaus) in Pinar del Rio, der "Tabak-Hauptstadt" von Cuba. Und gerade an diesem Tag begann zufaellig der Carneval! Nachts waren die Strassen zum bersten voller Leute, das Bier wurde aus Containern zu Pfennigbetraegen in alle moeglichen Trinkgefaesse ausgeschenkt (alte Dosen, Blumenvasen, Sektkuehler, Salatschuesseln, ...), Fress-Staende, Live-Musik, und gegen 22 Uhr fuhren 5 reich geschmueckte Wagen mit Sambataenzerinnen die Strassen entlang.

Von Pinar del Rio ging es per Zug nach La Habana. Unsere Ankunft verspaetete sich, weil unterwegs ein Traktor den Zug rammte mit fatalen Folgen fuer den Trekkerfahrer. 2 Tage Alt-Havanna und daraufhin ging es wiederum mit dem Zug ueber Nacht nach Santiago de Cuba, ganz im Osten der Insel. Hier wurde urspruenglich einmal der Bacardi Rum hergestellt. Die Stadt selbst fanden wir nicht besonders, die vielen Casa Particulares jedoch waren anscheinend voll und uebermaessig teuer. Drum radelten wir gleich los und entlang der Kueste nach Chivirico, Marea Portillo und Pilon, am Fusse der schoenen Sierra Maestra. Einige Huegel waren zu bewaeltigen, was aber mit schoenen Aussichten belohnt wurde. Ueber Manzanillo (ueber diese unfreundliche Stadt verlieren wir keine weiteren Worte) ging es zur Hauptstadt des Bezirkes Granma, Bayamo. Hier wurde viel revolutionaere Geschichte geschrieben und auch die Hymne, die Bayamesa geschrieben. Granma hiess das Boot, mit welchem Fidel Castro und Genossen nach Cuba zurueckkehrten, um die Revolution einzuleiten. Das Boot kann heute in La Habana besichtigt werden. Bayamo ist einen Besuch absolut wert! In den Sommermonaten wird an den Wochenenden auf den Strassen gefeiert. Mit Live-Musik, Bier, gegrillte Spanferkel, Umzuege und unendlich vielen Leuten. Ausserdem ist der Stadtkern schon schoen renoviert, ueberall wird gearbeitet, gepinselt und ausgebessert. Aber auch LasTunas kann sich sehen lassen: schoene, lebendige Stadt mit alten Kolonialhaeusern, wenig Touristen. Von Las Tunas nach Camaguey stellten wir unseren neuen Tagesrekord auf, 133 km mit fast nichts im Bauch. Der Hunger trieb uns nach Camaguey, denn unterwegs gab es so gut wie nichts. In Camaguey checkten wir wieder einmal unsere Mails und damit war unsere weitere Kuba-Planung total ueber den Haufen geworfen: Unser Boot zurueck nach Mexico legte bereits am 2. August von Maria la Gorda ab - in einer Woche also, und wir waren nicht einmal in der Mitte von Kuba. Knapp 900 km in 7 Tagen wollten wir uns dann doch nicht antun, und so erkundigten wir uns nach Moeglichkeiten, nach Havanna zu kommen. Aber wie es immer so ist, wenn man Termine hat: am naechsten Tag war der 26. Juli, hoechster Nationalfeiertag in Kuba (Revolutionstag), und schon am Tag zuvor wurde nur begrenzt gearbeitet. Fuer uns hiess das: Reisebueros fast alle zu, Busse voll, Mietwagen ausgebucht, ein passender Zug evtl. nur noch in der gleichen Nacht oder 2 Tage spaeter (also zu spaet), und ein Flug kam bei den erlaubten 20 kg Gepaeck fuer uns sowieso nicht in Frage. Also entschlossen wir uns zur "Flaschenpost". Wie geht denn das?!

Unser Zimmervermieter erklaerte uns, wie die "botella" (=Flasche) funktioniert. Man geht zu einer Sammelstelle, sagt wo man hin will und wird dann irgendwann auf einen LKW zugeteilt. Nach ca. 2-stuendigem Warten gab es fuer uns den schnellsten Sattelschlepper von Kuba. Nach 7 Stunden bei Sonnenschein auf der Ladeflaeche sitzend und nur 60 Pesos aermer (fuer beide inkl. Fahrraeder; = ca. 2,50 Euro fuer 550 km!!) kamen wir etwas verschmoergelt in Havanna an. Unterwegs ueberholten wir LKWs, die schon Stunden vor uns abgefahren waren. Drei Mal mussten wir anhalten und ewige LKW-Kolonnen vorbei lassen, welche zu Fidels Ansprache zum 26. Juli in Ciego de Avila unterwegs waren.

Nach einer Nacht in Havanna brachen wir zur Erkundung der Nordwestkueste auf. Ueber Cabanas und Bahia Honda fuhren wir auf einer huebschen Strecke nach Vinales. Westlich von Havanna fuhren wir unter anderem an der Marina Hemmingway entlang. In diesem noblen Wohngebiet mussten wir feststellen, dass es auch im Sozialismus Menschen gibt, die etwas gleicher sind, als die anderen. Villen, Segelschiffe, Motorboote und dicke Luxuswaegen vor der Tuer, diesen Anblick haetten wir hier nicht erwartet.

Von Vinales nach Pinar del Rio gab es einen herrlichen downhill durch die "Mogotes", die malerischen Felsformationen im Tabakanbaugebiet von Kuba. Nach nur 3 Wochen kamen wir an unserem Ausgangspunkt in Maria la Gorda an und waeren beinahe doch nicht mit dem Tauchschiff Oceanus mitgenommen worden, da dieses privat gechartert war und es anscheinend einige Probleme an Bord gab. Wir konnten sie jedoch zum Glueck davon ueberzeugen uns mitzunehmen, da wir keine andere Moeglichkeit hatten, das Land zu verlassen und wir das Boot sonst entern muessten. Nach einer ruhigen Nacht auf See kamen wir am Morgen des 3. August 2002 in Mexico an.