Januar - April 2002
Baja California, Sinaloa, Nayarit, Jalisco, Guanajuato, Queretaro, Hidalgo, Tlaxcala, Puebla, Veracruz
Am 16. Januar 2002 fuhren wir ueber die Grenze im Sagen-umwobenen Tijuana - und keiner hat's gemerkt. Wir mussten nocheinmal zurueck fahren, um unseren Stempel und die unbedingt notwendige Tourikarte abzuholen. Nach einer Stunde Aufenthalt jedoch hatten wir bereits genug von Hektik, Panik, Tourinepp und billigen Apotheken und strampelten gleich weiter nach Rosarito, wo wir unsere erste Nacht in Mexico direkt am Strand unterkamen. Auch der Gaumen stimmte sich gleich mexikanisch ein: Quesadilla con pollo, Enchilladas con mole poblano y cervezas frescas de Tecate! (Das klingt nicht nur gut, das schmeckt auch!!) Carretera Mex 1 fuehrte uns entlang der Pazikifkueste und ueber die ersten Berge nach Ensenada. Auf der Mex 3 lernten wir dann aber erst die richtigen Berge der Baja kennen. 2 Tage lang fuhren wir nonstop bergauf, naechtigten in der Wueste und bestaunten die bizarre Landschaft. Eines morgens, wir glaubten es kaum, hatten wir Raureif und Minus 6 Grad Celsius im (!) Innenzelt. Traumhafte Sonnenauf- und Untergaenge, gigantische Sternenhimmel und unglaubliche Stille (bei Nacht) entschaedigten fuer diese Temperaturen. Kurz vor San Felipe kuendigten sich die ersten mexikanischen Nebenwirkungen an: Montezumas Rache und Anzeichen von Sonnenstich. Darum war in San Felipe, im Mar de Cortez erst einmal Pause angesagt. Igel musste seine eingefangenen Parasiten mit 10-taegigem Alkoholverbot und Chemie behandeln, und das ausgerechnet ueber Paola's Geburtstag (ausgefallenes Geschenk).
Nach einem paar Tagen gings es dann wieder gut und auf ins erste mexikanische Abenteuer: die ungeteerte Strasse von Puertecitos nach Laguna Chapala (an der Mex 1). Die Informationen waren vielsagend: von fahrbar (Aussage von einem Motorradfahrer) bis absolut unmoeglich (Auskunft der Touristeninformation). Wir liessen uns aber nicht abhalten und kaempften uns 6 Tage lang durch Sand- und Stein- und Waschbrettpiste. Mehr als 20-30 Tageskilometer waren einfach nicht drin und abends fielen wir todmuede in die Schlafsaecke. Das Gute daran: bizarre Landschaften, einmalige Zeltplaetze, fast kein Verkehr und absolute Stille. Das Schlechte daran: fast keine Verpflegungsmoeglichkeiten, wunde Aersche, Wackelschaeden am Gepaeck und im Hirn (Spaessle g'macht) und 9 Tage lang keine Dusche in Sicht (puh!). Aber immer noch viel schoener als taeglich rumzurobotten. Kurz vor Punta Prieta trafen wir Annette und Gisbert aus Deutschland, die schon seit 1999 mit dem Rad in Lateinamerika unterwegs sind. Spontan campten wir im Kakteenwald und tauschten eine Nacht lang Radlerlatein aus.
In Guerrero Negro ueberschritten wir am 5.2.2002 den 28. Breitengrad und die Grenze zur Baja California Sur. Eine Dusche und die Waescherei machten dort wieder gesellschaftsfaehige Menschen aus uns. Ein Sandsturm hielt uns 3 Tage lang in der Oase von San Ignacio "gefangen", was uns jedoch nicht schwer fiel, da uns der Ort nach so viel Wuesten-Strecke wie eine Fata Morgana vorkam. In San Lucas trafen wir auf Herb und Jeannette aus Las Vegas, die uns zwei Abende lang mit Meeresfruechten fuetterten und mit Californischem Wein abfuellten. Die naechste Oase Mulege hatte einen besonderen Charme. Eine nette, sehr saubere Altstadt lud zum bummeln (und essen gehen) ein, Dattelpalmen und Vogelviecher umringten unser Zelt. Dann ging es wieder an die Kueste zum Playa Resquesón, einem "playa publica", d.h. oeffentlich und gratis! Die Besonderheit an diesem Strand: wir hatten auf beiden Seiten des Zeltes Wasser! Loreto war frueher einmal "Hauptstadt aller Kalifornien" und hat somit eine reiche Geschichte und eine interessante Altstadt zu bieten. Unterwegs trafen wir auf den Biker Willy aus Italien, welcher mit einem Hund im Anhaenger von Ushuaia (Feuerland) bis Alaska unterwegs war. Am Playa Juncalito hatten wir das majestaetische Gebirge der Sierra Giganta im Genick, welches je nach Sonneneinstrahlung die Farben wechselte. Von dort aus hatten wir einen langen und steilen Anstieg, zum Teil durch Canyons (welche nach Waschmittel dufteten?!) zu bewaeltigen, bevor wir auf einer ca. 100 km langen Geraden (!) durch die Staedte Ciudad Insurgentes und Ciudad Constitucion bis nach Las Pocitas radelten. Zwischen den beiden Ciudades trafen wir auf den Biker Ian aus Schottland. Seine diesjaehrige Tour fuehrt ihn von Panama nach Los Angeles, und von Korea via China nach Europa zurueck. Am 25. Februar 2002 erreichten wir La Paz, die Hauptstadt der Baja California Sur. Wir eilten sofort zu unserer Postadresse, um (Weihnachts-) Paeckchen abzuholen. Aber wie das eben in Mexico so ist: wir waren mal wieder schneller als die Post!
In La Paz fand einmal wieder ein nettes Bikertreffen statt. Diesesmal trafen wir auf Vincent und Nathalie aus Frankreich und Belgien mit ihrem dreijaehrigen Sohn Robin (www.robinstory.com). Die drei sind ebenfalls auf einer mehrjaehrigen Welttour unterwegs. Ein paar Tage lang konnten wir uns auf dem gleichen Campground austauschen. Am 5. Maerz hatten wir dann einen Teilerfolg. 2 Paeckchen von Ortlieb und Hilleberg warteten bereits seit Anfang Februar (!) auf dem Postamt auf uns. Durch einen Fehler in der Anschrift hatten die Paeckchen dort auf uns gewartet und wurden nicht, wie eigentlich gedacht, an das Buero von American Express weitergeleitet. Man lernt nie aus! Wir nutzten die Wartezeit fuer kleine Ausfluege in und um La Paz, so auch an die schoenen Straende von Playa Pichilingue, Tecolote und Balandra im Norden der Stadt.
Am 11. Maerz 2002 war dann fertig rumluemmeln, Weiterfahren war angesagt. Auf der Faehre ab Pichilingue trafen wir mal wieder ein paar Deutsche: Marcel aus Pforzheim und die beiden Tippelbrueder Lars (Dachdecker) und Christian (Zimmermann). Tja, die Deutschen sind halt ueberall unterwegs. Nach ca. 18 Stunden auf ruhiger See kamen wir morgens auf dem Festland in Mazatlan an. Noch ein bisschen wackelig auf den Beinen baute Paola ihren ersten Unfall. Sie fuhr mit der Vorderradtasche gegen einen viel zu hohen Randstein, das Fahrrad fiel um, dann fiel Paola und rammte dabei einen hinteren Kotfluegel eines vorbeifahrenden Autos. In Deutschland waere der Autofahrer wahrscheinlich ausgestiegen, haette zuerst einen besorgten Blick auf die Beule im Auto geworfen und sich dann nach dem Zustand des Radfahrers erkundigt. Aber wir sind hier in Mexico, den Autofahrer interessierte beides nicht und fuhr einfach weiter. Zum Glueck hatte Paola den Helm auf, sonst waeren ein paar Tassen kaputt gegangen. So hatte nur der Helm einen Riss abbekommen. Auf der Isla de la Piedra trafen wir die drei Deutschen von der Faehre wieder und verbrachten einen netten Abend am Strand mit Bier, Mezcal und Haengematten miteinander.
Ab Villa Union fuhren wir mit einem Kleintransporter auf der beruechtigten Strasse 15 mit, um lebend in Tepic anzukommen. Diese Strasse hat keinerlei Seitenstreifen, nur 2 Fahrbahnen und ist total ueberlaufen mit LKWs, Bussen etc. Ab Tepic strampelten wir wieder selbst die Berge Richtung Guadalajara hinauf. Dabei bevorzugten wir die Autobahn, die wenigstens einen schoenen Seitenstreifen hat. Dafuer gab es weniger Orte an der Strasse und so zelteten wir dann auch einmal direkt an einer Zahlstelle. In Ixtlan del Rio hatten wir ersten "Maya-Kontakt". Wir durften unser Lager direkt neben den Ruinen von Los Toriles aufbauen (mit naechtlichem Wachdienst), die als einzigste Staette in Mexico einen runden Tempel hat.
Weiter ging es auf der Strasse Mex 15D nach: Tequila! Im Dorf erkundigten wir uns bei den Dorfpolizisten nach einem Lagerplatz fuer uns. Der extra fuer uns abgestellte Polizist Jose Ramirez Gonzales fuehrte uns mit seinem ATV ueber 5 km Pflastersteine der uebelsten Sorte durch den Ort. Nach 2 Stunden Rundfahrt haben wir dann mitten im Ortskern eine Bleibe gefunden. Tagsdrauf machten wir dann natuerlich eine Tequila Tour mit "unlimited testing" und fuellten noch unsere Vorratstaschen mit dem edlen Agavensaft auf. Der Abschied von dem netten Ort viel uns schwer, besonders da wir 10 km um den Vulkan Tequila herum bergauf strampeln mussten, und das schon am fruehen Morgen.
Im Staate Jalisco fuhren wir dann in Guadalajara ein. Auf den ersten Blick waren wir enttaeuscht, eine weitere Grossstadt, mit ueber 2,2 Millionen Einwohnern eben. Erst mal essen gehen, hiess die Devise. Oh, dort gibt es ein Angebot: 1 kg Ceviche (in Limonensaft "gekochter" Fisch) mit Tacos und Avocados fuer nur 65 Pesos (ca. 7 Euro) - gekauft! Nachdem wir alles verzehrt hatten, fanden wir dann auch die historische Altstadt, die uns dann Guadalajara sympatisch machte. Historische Bauwerke, bunte Plaetze und Maerkte, Fressstaende ueberall, so haben wir das gerne. Und zur Begruessung gab es auch noch ein riesiges Feuerwerk. In Guadalajara trafen wir auch Vinc, Nath und Robin wieder. Eine Woche lang erkundeten wir die Stadt zu Fuss bevor wir uns wieder auf unsere Stahlroesser schwangen.
Zu fuenft fuhren wir durch die Staaten Guadalajara, Guanajuato und Queretaro und schlugen unsere gemeinsamen Nachtlager in Zapotlanejo, Tepatitlan, Arandas, Cueramaro, Irapuato und Celaya auf. Zum Teil hatten wir recht spannende Erlebnisse beim Suchen der Nachtlager. In Cueramaro half uns die Polizei fast 2 Stunden lang, bevor sie uns einen Aussenposten am Ortsrand ueberliess, den wir aber nur zum Sch... benutzten.
An unserem 1. Jahrestag der Tour fuhren wir in der von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklaerten Stadt Queretaro ein und auf dem Tacho standen 13010 km als wir unsere Unterkunft fuer die naechste Woche fanden. Queretaro hat eine auffallend schoene historische Altstadt (mit einem Aequaduct, welches heute noch in Betrieb ist), ist sehr sauber und hat viel mexikanische Geschichte zu bieten. U.a. hat die mexikanische Unabhaengigkeit hier ihren Ursprung, worauf die Queretaner sehr stolz sind. Die "Ciclonauten" Andrei und Dulce, welche selbst 3 Jahre lang durch Zentral- und Suedamerika geradelt sind, haben uns fast taeglich durch die Stadt gefuehrt und uns hervorragend verkoestigt.
Am 8. April fuhren wir weiter. Andrei und Dulce begleiteten uns die ersten Kilometer aus Queretaro hinaus und das naechste Ziel hiess San Juan del Rio. Am naechsten Tag ging es weiter nach Jonacapa, wo wir vor einer Trucker Beiz unser Zelt aufschlugen. Am Abend und in der Nacht hatten wir heftige Gewitter und vor unserem Zelt floss ploetzlich ein kleiner Bach vorbei. Die Einheimischen rieten uns ab, die weitere Strecke mit dem Fahrrad zu machen, sie sei zu eng, steil und zu stark mit Schwerverkehr befahren. Gesagt - getan. Tagsdrauf nahm uns Alejandro mit seinem Sattelschlepper mit bis nach Calpulalpan. Unser Schlafplatz hier: einmal wieder bei einer Polizeistation. Von dort aus ging es auf der Hochebene bei Hoehen zwischen 2400 und 2700 Metern weiter auf einer kleineren dafuer ruhigeren Strasse nach Apizaco. Weiter ueber Huamantla, Zacatepec und ab Perote ging es wieder auf waermere knappe 1400 m nach Xalapa, welches gerade "Feria-Expo", d.h. Messe Wochen hatte. Xalapa war einmal wieder eine positive Ueberraschung und so blieben wir gleich 3 Tage und erkundeten eine Mischung aus Strassen von San Francisco, Khao San Road Bangkok und Laufenburger Altstadt zu Fuss. In rauschender Fahrt gings weiter auf fast Meereshoehe Richtung Veracruz, und nun hatten wir endlich unsere Tropen: viel Gruen, Unmengen Voegel, ueber 30 Grad, fast 100% Luftfeuchtigkeit und schwitzen, schwitzen, schwitzen ...
















